Jan. 26, 2026

Warum gibt es überhaupt Religionen? (#01)

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Warum gibt es überhaupt Religionen? (#01)
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Warum gibt es Religionen überhaupt? Und was bedeuten Religionen für Menschen heute? Zum Auftakt von Alles Glauben sprechen Johanna Tannen und Prof. Felix Körner mit Rabbiner Daniel Fabian und dem islamischen Theologen und Soziologen Muhammed Mansur Doğan über religiösen Ursprung, Glauben und Sinnsuche. Aus jüdischer, christlicher und muslimischer Sicht geht es um die Entstehung von Religionen, ihre Bedeutung im Alltag und ihren Platz in einer pluralen Gesellschaft. Ein Gespräch über Unterschiede, Gemeinsamkeiten und das Verbindende im Glauben.

Dieser Podcast wird produziert von TLDR Studios.

WEBVTT

00:00:24.140 --> 00:00:33.650
Speaker 1: Herzlich willkommen bei der ersten Folge von Alles Glauben, dem Podcast über Religionen aus der Hauptstadt, der keineswegs behauptet, man sollte alles glauben.

00:00:34.489 --> 00:00:46.750
Speaker 1: Wir sind an der Humboldt-Universität zu Berlin und laden ab jetzt einmal im Monat eine Forscherin oder ein Forscher ein, um mit diesen Forschern etwas aus und in den Religionen besser zu verstehen.

00:00:47.430 --> 00:00:50.129
Speaker 2: Okay, aber Sie müssen auch erklären, wer ist wir?

00:00:50.470 --> 00:00:52.269
Speaker 2: Wir laden einen.

00:00:52.309 --> 00:00:53.290
Speaker 1: Genau, also wir.

00:00:53.870 --> 00:00:55.010
Speaker 1: Das ist zum Beispiel Prof.

00:00:55.370 --> 00:00:55.750
Speaker 1: Dr.

00:00:55.870 --> 00:00:56.169
Speaker 1: Dr.

00:00:56.269 --> 00:00:57.050
Speaker 1: Felix Körner.

00:00:57.190 --> 00:01:01.050
Speaker 1: Er ist Jesuitenpater und auch Islamwissenschaftler.

00:01:01.629 --> 00:01:13.050
Speaker 1: Und vor allen Dingen ist er der Inhaber des Nikolaus Cusanus Lehrstuhls Theologie der Religionen am Institut für katholische Theologie der Humboldt-Universität zu Berlin.

00:01:13.950 --> 00:01:19.030
Speaker 1: Und an diesem Lehrstuhl gibt es ein Team und dazu gehören noch ein paar andere Personen.

00:01:19.350 --> 00:01:20.770
Speaker 2: Ja, ich stelle mal den ersten vor.

00:01:21.350 --> 00:01:22.950
Speaker 2: Rabbi Daniel Fabian.

00:01:24.090 --> 00:01:27.610
Speaker 2: Er ist Rabbiner, also ein jüdischer Religionsgelehrter.

00:01:28.470 --> 00:01:31.130
Speaker 2: Er ist auch Landesrabiner von Sachsen-Anhalt.

00:01:32.770 --> 00:01:36.470
Speaker 2: Und er gehört zur orthodoxen Richtung des Judentums.

00:01:37.410 --> 00:01:40.270
Speaker 2: Das sind die, die die Regeln der Tradition ernst nehmen.

00:01:41.130 --> 00:01:42.690
Speaker 2: Kann man das so sagen, Rabbi Fabian?

00:01:43.990 --> 00:01:50.510
Speaker 3: Ja, das ist auf jeden Fall richtig und ich möchte auf jeden Fall auch jemand vorstellen, und zwar Mohammed Mansur Dorm.

00:01:51.410 --> 00:01:53.950
Speaker 3: Er ist der Einzige, der in Berlin geboren ist.

00:01:55.210 --> 00:02:01.310
Speaker 3: Mansur ist islamischer Theologe und Soziologe und außerdem ist er auch mein Büro-Nachbar.

00:02:01.930 --> 00:02:08.889
Speaker 3: Also sein Schreibtisch steht eigentlich direkt neben meinem und sein Gebetsteppich liegt über dem Stuhl direkt dahinter.

00:02:09.590 --> 00:02:13.929
Speaker 3: Ich würde sagen, wir kommen eigentlich sehr, sehr gut miteinander klar, der Jude und der Muslim.

00:02:14.609 --> 00:02:17.929
Speaker 3: Und wir sind ja beide am Institut für katholische Theologie.

00:02:18.649 --> 00:02:19.810
Speaker 3: Oder wie siehst du das Mann zur?

00:02:20.890 --> 00:02:21.709
Speaker 0: Ja, absolut.

00:02:22.510 --> 00:02:23.230
Speaker 0: Hundert Prozent.

00:02:24.470 --> 00:02:27.850
Speaker 0: Und für mich ist das, ehrlich gesagt, auch ein ziemlich besonderer Arbeitsplatz.

00:02:28.429 --> 00:02:31.730
Speaker 0: Denn du bist der erste Rabbi, den ich persönlich kennenlernen durfte.

00:02:32.530 --> 00:02:47.769
Speaker 0: Und das hat mir ... natürlicherweise auch einen ganz neuen Zugang zum Judentum eröffnet, gerade auch eben für diese Fragen, mit denen ich mich auch in meiner Forschung beschäftige, nämlich wie Menschen zwischen verschiedenen religiösen Traditionen leben.

00:02:48.709 --> 00:03:00.929
Speaker 0: Und vielleicht nochmal für die Hörerinnen ganz ersichtlich hier dieser Gebietsteppich, von dem die Rede war und vielleicht auch noch so eine witzige Anekdote.

00:03:02.109 --> 00:03:10.230
Speaker 0: Wir planen jetzt seit Monaten mit Rabbi Daniel Fabian, so eine gemeinsame Kaffeemaschine zu besorgen.

00:03:10.769 --> 00:03:19.209
Speaker 0: Weil wir sonst immer zum Rewe nebenan laufen, wird mit der Zeit erstens viel zu teuer und zweitens einfach nur nervig.

00:03:19.670 --> 00:03:21.649
Speaker 0: Und deswegen haben wir jetzt endlich unsere Kaffeemaschine.

00:03:22.250 --> 00:03:30.530
Speaker 0: und ich sag auch zum Beispiel, das ist so der Beweis, dass Kaffee eben auch über Religionen hinweg verbinden kann.

00:03:31.329 --> 00:03:45.369
Speaker 0: Ja, und ich muss aber dich Daniel ganz kurz noch korrigieren, denn die Stimme, die man am Anfang hören durfte, die gehört zu Johanna Tannen und sie ist auch Berlinerin.

00:03:45.709 --> 00:03:47.369
Speaker 0: Also nicht nur ich, sie auch.

00:03:48.690 --> 00:03:58.350
Speaker 0: Johanna, du bist katholische Theologin und Doktorantin in katholischer Dogmatik an der Universität Münster und auch Mitarbeiterin an unserem Lehrstuhl.

00:03:59.010 --> 00:04:02.810
Speaker 0: Und du wirst mit dem Professor Körner diesen Podcast hosten.

00:04:03.450 --> 00:04:10.209
Speaker 0: Und es war ja auch so ein bisschen eure Idee, in dieser ersten Folge das ganze Team vorzustellen und einzubeziehen, oder?

00:04:11.450 --> 00:04:12.290
Speaker 1: Ja, ganz genau.

00:04:13.310 --> 00:04:14.090
Speaker 1: Das war die Idee.

00:04:14.890 --> 00:04:16.890
Speaker 1: Vielen Dank für die liebe Vorstellung, lieber Mannsur.

00:04:17.570 --> 00:04:18.510
Speaker 1: Und ich würde sagen, let's go.

00:04:18.850 --> 00:04:22.130
Speaker 1: Lasst uns in die Kategorie alles im Gespräch gehen.

00:04:25.090 --> 00:04:26.390
Speaker 0: Alles im Gespräch.

00:04:28.190 --> 00:04:32.970
Speaker 1: Und da wir hier Wissenschaftskommunikation betreiben wollen, fangen wir natürlich auch wissenschaftlich an.

00:04:33.430 --> 00:04:35.890
Speaker 2: Na gut, aber was heißt jetzt wissenschaftlich in dem Fall?

00:04:36.670 --> 00:04:40.830
Speaker 1: Das bedeutet, dass wir uns über die Begriffe, die wir verwenden, einmal klar werden.

00:04:41.710 --> 00:04:46.650
Speaker 1: Also, wenn wir von Religion sprechen, müssen wir jetzt erst mal klären, was verstehen wir eigentlich unter Religion?

00:04:47.510 --> 00:04:50.090
Speaker 1: Und deswegen gebe ich diese Frage jetzt mal die Runde weiter.

00:04:50.710 --> 00:04:52.390
Speaker 1: Und man so, vielleicht magst du starten.

00:04:53.110 --> 00:04:55.010
Speaker 1: Was verstehst du unter Religion?

00:04:56.150 --> 00:04:57.770
Speaker 0: Ja, dann fange ich mal an.

00:04:58.750 --> 00:05:03.330
Speaker 0: Ich würde jetzt als Theologe und als Soziologe antworten.

00:05:04.090 --> 00:05:07.690
Speaker 0: Also, erst einmal ist Religion für mich ein ganz großer Beziehungsraum.

00:05:08.370 --> 00:05:15.550
Speaker 0: Weil da Menschen ... in Beziehung zu Gott treten, aber auch zueinander, also durch Gemeinschaft zum Beispiel.

00:05:15.730 --> 00:05:16.630
Speaker 0: Das ist ganz wichtig.

00:05:17.030 --> 00:05:20.790
Speaker 0: Dann kommen auch die ganzen Rituale hinzu, sehr viele Traditionen.

00:05:21.410 --> 00:05:28.750
Speaker 0: Und als Soziologe sehe ich auch, dass Religion eigentlich auch unser Leben ganz gut sortieren kann.

00:05:29.070 --> 00:05:34.930
Speaker 0: Also sie gibt uns Orientierung, Schaftwerte, aber auch Zusammenhalt.

00:05:36.070 --> 00:05:41.310
Speaker 0: das so als Soziologe gesagt und als muslimischer Theologe würde ich noch hinzufügen.

00:05:42.170 --> 00:05:48.930
Speaker 0: Religion ist tatsächlich ein Weg, das eigene Leben ganz bewusst und ethisch auszurechten.

00:05:49.590 --> 00:05:58.770
Speaker 0: Jetzt nicht um andere zu kontrollieren, sondern um so ein bisschen die eigene Verantwortung wahrzunehmen und damit durch das Leben zu schreiten.

00:05:59.170 --> 00:06:00.990
Speaker 0: So würde ich das jetzt im groben formulieren.

00:06:01.550 --> 00:06:02.850
Speaker 3: Also hier hake ich mal ein.

00:06:04.150 --> 00:06:13.410
Speaker 3: Ich würde sagen, Religion ist eigentlich, wenn man so im Bewusstsein lebt, dass unsere Existenz eigentlich viel mehr ist als das, was sie zu sein scheint.

00:06:13.910 --> 00:06:24.970
Speaker 3: Also für jüdische Menschen ist eigentlich immer klar, es gibt einen Schöpfer und der ist auch in jedem einzelnen Moment mit dir und du bist dadurch auch nicht alleine.

00:06:25.950 --> 00:06:29.050
Speaker 3: Daraus ergibt sich natürlich erstmal Dankbarkeit.

00:06:29.590 --> 00:06:50.570
Speaker 3: Dankbarkeit dafür, dass man das Leben hat, dass man das Umfeld bekommen hat, indem wir alle leben und gleichzeitig leben jüdische Menschen, aber auch immer in dem Verständnis, dass es Erwartungen an uns gibt und zwar Erwartungen sowohl ans Individuum als auch als Teil der Gesellschaft.

00:06:51.010 --> 00:06:52.010
Speaker 3: und aus diesem.

00:06:53.530 --> 00:06:58.230
Speaker 3: Gemisch von einerseits Dankbarkeit, andererseits dem Verständnis von Erwartung.

00:06:58.590 --> 00:07:01.450
Speaker 3: Daraus ergibt sich dann irgendwo ein Lebensentwurf.

00:07:01.610 --> 00:07:04.150
Speaker 3: Und das ist für mich Religion.

00:07:05.490 --> 00:07:06.370
Speaker 1: Ja, spannend.

00:07:07.370 --> 00:07:16.970
Speaker 1: Religion zeigt sich für mich in Praktiken und Glaubensvorstellungen, in denen man ganz klar sieht, dass es eine Trennung zwischen zwei Sphären gibt.

00:07:17.050 --> 00:07:24.550
Speaker 1: Und diese beiden Sphären heißen Immer-Nenz, also sozusagen die Welt und Transcendenz, also alles, was die Welt übersteigt.

00:07:25.410 --> 00:07:32.370
Speaker 1: Und Religionen sind für mich so ... große Kommunikationssysteme mit ihren eigenen Kommunikationscodes.

00:07:32.490 --> 00:07:43.950
Speaker 1: Und diese Kommunikationscodes können zum Beispiel Rituale sein, aber auch bestimmte Handlungen, die ich vollziehe, Feiertage mit bestimmten Liedgut und Glaubenssätze.

00:07:44.650 --> 00:07:52.630
Speaker 1: Und diese Codes ermöglichen, dass man zwischen diesen beiden Sphären, also Immanenz und Transcendenz, kommunizieren kann.

00:07:53.550 --> 00:08:00.250
Speaker 1: Und es Besondere aber ist, würde ich sagen, eine Religion, dass diese Trennung zwischen diesen beiden Sphären nicht aufgehoben wird.

00:08:00.350 --> 00:08:02.670
Speaker 1: Also die verändert sich nicht, die bleibt bestehen.

00:08:03.290 --> 00:08:07.990
Speaker 1: Was sich verändern kann, meine Meinung nach, sind die Kommunikationscoats.

00:08:08.090 --> 00:08:12.250
Speaker 1: Also durch Orte, zum Beispiel in Berlin-Mitte, sehen die anders aus als in Oberbayern.

00:08:13.490 --> 00:08:18.110
Speaker 1: Und auch ganz anders als im siebzehnten Jahrhundert, also die Orte.

00:08:18.830 --> 00:08:24.610
Speaker 1: Und die Zeit kann die Kommunikationscoats verändern, aber ... Die Zfernen bleiben sozusagen bewahrt.

00:08:25.150 --> 00:08:26.670
Speaker 2: Ich schalte mich da auch noch mal ein.

00:08:28.010 --> 00:08:33.590
Speaker 2: Interessant, dass Sie die beiden Zfernen, Immanenz und Transnenz, so auseinanderhalten wollen.

00:08:33.870 --> 00:08:36.670
Speaker 2: Also meinen Religionsbegriff, der ist ganz knapp.

00:08:38.130 --> 00:08:40.789
Speaker 2: Religion ist Realisierung des Heiligen.

00:08:42.050 --> 00:08:44.170
Speaker 2: Das versteht man natürlich erst mal nicht so richtig.

00:08:44.350 --> 00:08:55.970
Speaker 2: Ich habe das auch bewusst so formuliert, dass es mehrdeutig ist und ... in verschiedene Richtungen aufgeschlossen werden kann, damit eben möglichst viele religiöse Wirklichkeiten damit auch erfasst werden können.

00:08:56.030 --> 00:08:57.450
Speaker 2: Realisierung des Heiligen.

00:08:58.070 --> 00:09:04.050
Speaker 2: Also realisieren kann ja einerseits heißen wahrnehmen und andererseits verwirklichen.

00:09:05.310 --> 00:09:19.550
Speaker 2: Also wenn Menschen jetzt spüren, sie stehen in einem größeren Zusammenhang, realisieren das, dann wollen sie das auch ausdrücken, in der Welt wirklich werden lassen, realisieren.

00:09:21.250 --> 00:09:22.330
Speaker 2: Das steckt sogar noch mehr drin.

00:09:22.430 --> 00:09:27.650
Speaker 2: Realisierung des Heiligen kann ja auch heißen der Heilige, das Heilige, die Heilige.

00:09:28.210 --> 00:09:36.570
Speaker 2: Gott möchte in der Welt seine Wirklichkeit durchbrechen lassen, Wirklichkeit werden lassen.

00:09:37.030 --> 00:09:42.650
Speaker 2: Deswegen dieser knappe, aber mehrdeutige Begriff, von dem ich glaube, der trifft es ganz gut.

00:09:42.990 --> 00:09:44.770
Speaker 2: Religion, Realisierung des Heiligen.

00:09:45.990 --> 00:09:48.890
Speaker 1: Wow, jetzt haben wir vier spannende Definitionen.

00:09:49.030 --> 00:09:50.750
Speaker 1: Ich fasse sie noch mal ganz kurz zusammen.

00:09:51.690 --> 00:09:54.710
Speaker 1: Manso, du hast gesagt, Religion ist ein Beziehungsraum.

00:09:56.670 --> 00:10:05.990
Speaker 1: Daniel, dich habe ich so verstanden, dass Religion ist ein Bewusstsein von Gott, der bestimmte Erwartungen an dich hat, weil er dir das Leben geschenkt hat.

00:10:07.210 --> 00:10:11.670
Speaker 1: Und Professor Körner, ich habe sie so verstanden, Religion ist Realisierung des Heiligen.

00:10:12.250 --> 00:10:16.370
Speaker 1: Also die gottliche Wirklichkeit ... dringt in die Welt Wirklichkeit ein.

00:10:17.830 --> 00:10:19.950
Speaker 1: Ich hoffe, ich habe euch alle ganz gut zusammengefasst.

00:10:20.010 --> 00:10:23.350
Speaker 1: Möchte noch jemand irgendwie noch mal nachhaken oder könnte ich alle wiederfinden?

00:10:24.270 --> 00:10:27.910
Speaker 2: Also richtig verstanden, finde ich, bin ich auf jeden Fall.

00:10:28.990 --> 00:10:34.390
Speaker 2: Aber ich möchte noch eine Sache sagen, weil wir jetzt so selbstverständlich von Religion reden.

00:10:35.310 --> 00:10:40.930
Speaker 2: Und man muss schon sagen, in der Wissenschaft ist der Religionsbegriff im Augenblick sehr umstritten.

00:10:41.450 --> 00:10:47.950
Speaker 2: Ich habe auch vor kurzem wieder eine englische Wissenschaftlerin getroffen, die sagt, sie verwendet das Wort Religion überhaupt nicht mehr.

00:10:48.830 --> 00:10:50.830
Speaker 2: Dann sucht sie irgendwelche Ersatzbegriffe.

00:10:52.210 --> 00:10:56.790
Speaker 2: Ich finde das verständlich, aber trotzdem nicht richtig.

00:10:57.330 --> 00:11:11.130
Speaker 2: Verständlich, weil man natürlich, wenn man Religion sagt, so eine europäische Konstruktion oder sogar Projektion auf andere Kulturen und Völker unternimmt.

00:11:12.590 --> 00:11:35.610
Speaker 2: Aber wie wir in Europa, Judentum, Christentum, Islam und auch noch einige andere solche Erscheinungen kennenlernen, trifft es schon eine Gemeinsamkeit, wo es eben jedes Mal eine Tradition gibt, eine Schrift gibt, eine Selbstreflexion gibt, Führungspersonen gibt.

00:11:36.810 --> 00:11:38.510
Speaker 2: Und wo es auch Gemeinschaft gibt.

00:11:38.610 --> 00:11:47.450
Speaker 2: Also insofern, wenn das vorkommt, dann kann man wirklich meines Erachtens den Religionsbegriff durchaus als sinnvollen Begriff weiter verwenden.

00:11:47.890 --> 00:11:50.410
Speaker 2: Und deswegen heißt ja auch unser Lehrstuhl Theologie der Religionen.

00:11:51.330 --> 00:11:59.250
Speaker 0: Aber lasst uns jetzt nicht länger mit den Begriffsdefinitionen aufhalten, denn unsere Frage ist ja auch auf jeden Fall sinnvoll.

00:11:59.750 --> 00:12:01.690
Speaker 0: Warum gibt es denn überhaupt Religionen?

00:12:03.050 --> 00:12:07.030
Speaker 1: Ja, vielen Dank, man zu führen noch mal die Auffächerung der Fragestellung.

00:12:08.490 --> 00:12:11.690
Speaker 1: Ich glaube, es gibt vielleicht so drei Ebenen in dieser Frage.

00:12:12.390 --> 00:12:15.330
Speaker 1: Und zwar einmal so ein bisschen psychologisch-historisch.

00:12:15.490 --> 00:12:19.790
Speaker 1: Also was passiert in Menschen, wenn sie religiöse Handlungen vollziehen?

00:12:20.390 --> 00:12:22.090
Speaker 1: Man könnte auch sagen, wenn sie religiöses tun.

00:12:23.050 --> 00:12:26.310
Speaker 1: Dann die zweite Frage ist mehr theologisch.

00:12:27.250 --> 00:12:29.250
Speaker 1: Wir stellen fest, es gibt mehrere Religionen.

00:12:29.490 --> 00:12:32.990
Speaker 1: Gerade in Deutschland, die religiöse Landschaft hat sich diversifiziert.

00:12:33.590 --> 00:12:37.850
Speaker 1: Da ist ja schon die Frage, wirkt eigentlich jetzt Gott, wenn Religionen entstehen?

00:12:38.870 --> 00:12:48.190
Speaker 1: Und dann vielleicht die dritte Ebene ist so ein bisschen die Funktionsfrage, die auch heute viele junge Menschen sich fragen, wozu soll ich denn religiös sein?

00:12:48.290 --> 00:12:50.130
Speaker 1: Also, welchen Mehrwert hat das eigentlich?

00:12:50.870 --> 00:12:55.010
Speaker 1: Und ja, ich würde sagen, vielleicht gehen wir diesen drei Ebenen mal nach.

00:12:55.190 --> 00:12:56.030
Speaker 2: Ja, okay, ich sag so mal.

00:12:56.670 --> 00:12:58.610
Speaker 2: mit ganz einfachen Wörtern.

00:12:59.650 --> 00:13:04.770
Speaker 2: Religionen, wieso, woher und wozu?

00:13:05.870 --> 00:13:09.210
Speaker 2: Vielleicht, Manso Torja, fangen wir bei Ihnen mal an.

00:13:10.170 --> 00:13:17.590
Speaker 2: Sie sind ja auch Soziologe und haben da vielleicht dann auch einen besonderen Blick drauf, wie kommen Religionen zustande?

00:13:17.650 --> 00:13:18.750
Speaker 2: Warum gibt's Religionen?

00:13:18.830 --> 00:13:22.470
Speaker 2: Was ging in Menschen vor, dass sie religiös wurden?

00:13:23.490 --> 00:13:24.170
Speaker 0: Ja, absolut.

00:13:24.790 --> 00:13:28.650
Speaker 0: Und ... Sie haben das ja auch dankenderweise betont.

00:13:28.770 --> 00:13:38.010
Speaker 0: Ich bin nicht nur Theologe, sondern auch Soziologe und verschiedene Wissenschaftsdisziplinen haben natürlich auch verschiedene Zugänge zur Religion.

00:13:38.150 --> 00:13:41.010
Speaker 0: Das bereichert mich und ich hau vor auch unseren Lehrstuhl.

00:13:41.930 --> 00:13:54.050
Speaker 0: Aber wenn ich jetzt nachdenke und so auf die Anfänge der Religion schaue, dann sehe ich jetzt im vereinfachten Sinne erst einmal nur Menschen, die ihre Erfahrungen deuten wollen.

00:13:54.870 --> 00:13:59.930
Speaker 0: Sowas wie Naturereignisse, Geburt, Tod, Staunen, Angst.

00:14:00.690 --> 00:14:05.410
Speaker 0: All das, was wir so im Alltag oder während unseres Lebens erleben.

00:14:05.950 --> 00:14:09.830
Speaker 0: Und aus solchen Momenten entstehen Rituale und Geschichten.

00:14:10.830 --> 00:14:16.670
Speaker 0: Aus islamischer Sicht kommt dann natürlich noch hinzu, der Koran erzählt uns eine bestimmte Geschichte.

00:14:17.650 --> 00:14:42.430
Speaker 0: Diese Menschheitsgeschichte, die mit Adam beginnt, auch ... ein islamischer Prophet und dass er auch in Beziehung zu Gott stand, einer sehr intensiven Beziehung, das heißt für mich dann im Umkehrschluss religiöse Orientierung gehört auch aus islamischer Perspektive von Anfang an ganz natürlich zur Menschheit.

00:14:43.370 --> 00:14:53.950
Speaker 0: und anthropologisch würde ich sagen suchen Menschen eben nach einer gewissen Deutung und theologisch Antworten sie auf diese ursprüngliche Gottesbeziehung.

00:14:54.550 --> 00:14:57.950
Speaker 0: So würde ich das jetzt vereinfacht ausdrücken.

00:14:58.690 --> 00:15:07.710
Speaker 0: Aber wenn wir das beide, wenn wir beides jetzt zusammennehmen, erklärt es für mich eigentlich ganz gut, warum überhaupt Religion entstanden sind.

00:15:08.790 --> 00:15:11.610
Speaker 0: Aber das ist jetzt wie gesagt nur meiner Sicht auf die ganze Sache.

00:15:12.850 --> 00:15:15.170
Speaker 0: Deswegen würde ich mal einfach nachhaken, Johanna.

00:15:16.190 --> 00:15:17.310
Speaker 0: Wie sieht's bei dir aus?

00:15:17.570 --> 00:15:21.270
Speaker 0: Was denkst du, ist in den Menschen passiert, dass sie religiös geworden sind?

00:15:22.890 --> 00:15:26.530
Speaker 1: Ja, meine ganz knappe Antwort ist, ihre Geburt ist passiert.

00:15:26.990 --> 00:15:29.030
Speaker 1: Sie sind einfach ein Anfang in der Welt.

00:15:29.710 --> 00:15:33.630
Speaker 1: Also, ein Mensch wird geboren und er ist ja ein kompletter Neuankömmling in der Welt.

00:15:34.390 --> 00:15:38.210
Speaker 1: Und dann lernt er oder sie durch seine Eltern unterschiedliche Sachen kennen.

00:15:38.290 --> 00:15:43.470
Speaker 1: Und dazu können auch Religiöse, ich bleibe mal in meinen Begriffen, Codes gehören.

00:15:44.190 --> 00:15:53.730
Speaker 1: Und ich würde sagen, dieses Kennlern von religiösen Codes kann eine, in Anführung, geordnete Kommunikation zwischen diesen beiden Sphären ermöglichen.

00:15:54.730 --> 00:16:08.990
Speaker 1: Und neben dieser eher geordneten Kommunikation, würde ich sagen, gibt es aber auch eine spontane und ein bisschen plötzliche und unerwartete Kommunikation in Form von einem Ergriffensein und berührt werden von Transcendenz, also in meinem Fall jetzt von Gott.

00:16:10.030 --> 00:16:12.570
Speaker 1: und um das ein bisschen greifbarer zu machen.

00:16:12.910 --> 00:16:14.350
Speaker 1: Stellt euch vor, ihr geht ins Museum.

00:16:14.450 --> 00:16:15.570
Speaker 1: Ich weiß nicht, ob ihr gerne ins Museum gibt.

00:16:15.690 --> 00:16:16.990
Speaker 1: Ich gehe sehr gerne ins Museum.

00:16:17.790 --> 00:16:25.490
Speaker 1: Wenn man ins Museum geht, möchte man vielleicht, hat man sich darauf gefreut, man hat schon jeder in der Seite gelesen, wenn man eine ganz bestimmte Ausstellung sehen will.

00:16:26.230 --> 00:16:30.470
Speaker 1: Und man hört vielleicht unsere Freizeit, kunsthistorische Podcasts, liest vielleicht ein paar Bücher.

00:16:30.950 --> 00:16:40.550
Speaker 1: Das heißt, man hat irgendwie schon so ein kunsthistorisches Koordinatensystem in unserem Kopf und steht dann vor einem Bild und weiß ganz genau, okay, wo kann ich das jetzt eigentlich einordnen?

00:16:42.090 --> 00:16:44.350
Speaker 1: In welcher Zeit hat der Künstler gelebt, etc.

00:16:44.850 --> 00:16:48.290
Speaker 1: Und das würde ich sagen, ist ein ganz gutes Beispiel für eine geordnete Kommunikation.

00:16:49.250 --> 00:16:52.130
Speaker 1: Und dann gibt es aber auch eine spontanere Kommunikation.

00:16:53.870 --> 00:16:55.390
Speaker 1: zum Beispiel mit abstrakter Kunst.

00:16:55.490 --> 00:17:00.550
Speaker 1: Also die entzieht sich ja eigentlich komplett diesem Prozess, dass ich es einordnen kann.

00:17:01.050 --> 00:17:03.130
Speaker 1: Ganz bewusst, dass sie es ganz bewusst reduziert.

00:17:03.950 --> 00:17:12.849
Speaker 1: Und was mich aber trotzdem vielleicht auch unerwartet ergreifen kann, sind zum Beispiel die Farben oder auch so die Formensprache.

00:17:13.089 --> 00:17:15.170
Speaker 1: Und ich würde sagen, das verdeutlicht es so ein bisschen.

00:17:15.230 --> 00:17:20.069
Speaker 1: Also es gibt eine geordnete Kommunikation und aber auch eine spontanere.

00:17:20.990 --> 00:17:23.589
Speaker 1: Jetzt habe ich aber auch noch eine Frage an dich, Daniel.

00:17:24.150 --> 00:17:30.930
Speaker 1: Meinst du, es gibt eine Art religiöse Grunderfahrung, die den Menschen vielleicht irgendwie verändert hat?

00:17:32.590 --> 00:17:45.530
Speaker 3: Der Mensch ist ja irgendwo als denkendes und über sich selbst reflektierendes Wesen, also jemand, der immer sozusagen das Warum wissen möchte, immer damit beschäftigt, solche Fragen zu beantworten.

00:17:46.850 --> 00:17:53.450
Speaker 3: oft passiert es eben und passiert es auch in der Vergangenheit, dass diese Fragen einen dann irgendwie zu Gott führen.

00:17:54.050 --> 00:18:04.630
Speaker 3: Und weil man eben ohne diese Fragen nicht wirklich Mensch ist, führt es dann einen immer irgendwie zu Gott oder zu irgendeiner anderen Antwort.

00:18:05.210 --> 00:18:08.430
Speaker 3: Und bei uns in den Schriften ist es eigentlich auch so überliefert.

00:18:09.410 --> 00:18:34.710
Speaker 3: Abraham, der für uns als der erste Jude oder wenn man so möchte, der erste Monotheist, gilt, der ja also an den einen Gott glaubte und ihn auch sozusagen wieder entdeckte in seiner Generation, der tat das eigentlich, weil er irgendwann als der Überlieferung nach kleines Kind rausgegangen ist und die Sterne gesehen hat und sich dann gefragt hat, wer hat die eigentlich erschaffen?

00:18:34.950 --> 00:18:41.030
Speaker 3: Also er beschäftigte sich dann schon automatisch mit seiner Umwelt und fragte, wo kommt das her?

00:18:41.290 --> 00:18:42.150
Speaker 3: Warum ist das so?

00:18:42.490 --> 00:18:43.510
Speaker 3: Wer steckt dahinter?

00:18:43.890 --> 00:18:47.250
Speaker 3: Und so hat er eben zu Gott gefunden.

00:18:47.690 --> 00:19:02.150
Speaker 3: Und deswegen ist es meine Meinung, dass uns das Suchen nach Antworten automatisch, er sich in einer Art von Suche auch nach Gott gestaltet und dass es uns gewissermaßen in den Genen liegt, Gott zu suchen.

00:19:02.830 --> 00:19:13.610
Speaker 3: Und natürlich, wir haben diese Fragen und... Ob wir diese Antworten auf die Fragen so akzeptieren, das ist natürlich was ganz anderes.

00:19:13.750 --> 00:19:18.010
Speaker 3: Und ja, was sagen Sie, Professor Körner, wie sehen Sie das?

00:19:18.110 --> 00:19:20.650
Speaker 3: Also was ist sozusagen der Stand der Wissenschaft Ihrer Meinung

00:19:20.810 --> 00:19:21.030
Speaker 2: nach?

00:19:22.250 --> 00:19:27.310
Speaker 2: Ja gut, also Stand der Wissenschaft ist ja eigentlich immer, man ist sich nicht einig.

00:19:28.250 --> 00:19:33.210
Speaker 2: Also zumindest in den Geisteswissenschaften gibt es ja eine nie endende.

00:19:33.650 --> 00:19:40.410
Speaker 2: Debatte, aber ich kann trotzdem mal so zwei Richtungen, die momentvorrangig sind, darstellen.

00:19:41.790 --> 00:19:57.870
Speaker 2: Das eine ist wirklich das, was von Ihnen allen eigentlich jetzt schon so ein bisschen angedeutet wurde, die Frage, warum Sinndeutungen bieten, Antworten auf die grundsätzlichen Fragen.

00:19:58.370 --> 00:20:06.450
Speaker 2: Das wird tatsächlich von wissenschaftlicher Seite auch an den Anfang der Menschheit, die religiös wurde gelegt.

00:20:07.770 --> 00:20:10.310
Speaker 2: Ist mir aber ehrlich gesagt zu begrifflich.

00:20:10.390 --> 00:20:20.930
Speaker 2: So weit waren, meines Erachtens, die Menschen noch nicht, als sie das, was wir religiöse Vollzüge nennen können, entwickelt haben.

00:20:22.190 --> 00:20:31.930
Speaker 2: Die andere Antwort, die sich dann tatsächlich in der Wissenschaft auch findet, die sagt einfach, ja, Religionen entstehen aus Ritualen.

00:20:32.890 --> 00:20:39.970
Speaker 2: Ich würde aber sagen, diese Rituale selber sind ja auch schon etwas Religiöses, nur halt vielleicht noch vorbegrifflich.

00:20:40.750 --> 00:20:56.150
Speaker 2: Und deswegen würde ich sagen, das Erste, was uns als Menschheit religiös gemacht hat und was wir vielleicht sogar in unserer eigenen Entwicklung auch nachvollziehen können, ist, dass da überraschende Erlebnisse waren.

00:20:56.210 --> 00:21:02.290
Speaker 2: Das kann Angst, auch große Freude gewesen sein.

00:21:03.150 --> 00:21:19.970
Speaker 2: Stille vielleicht, die mir plötzlich, ohne dass ich das schon irgendwie ausformulieren könnte und als Antwort dann anbieten könnte, die mir vermittelt, da bin ich angesprochen, angerufen, da ist was Personales da.

00:21:20.910 --> 00:21:37.290
Speaker 2: Diese vorbegrifflichen Empfindungen, Erlebnisse, die sind glaube ich der Ursprung, aber das wird jetzt von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Welt nicht unbedingt geteilt.

00:21:38.030 --> 00:21:40.190
Speaker 1: Ich lade jetzt mal einen Schritt weiter zu gehen.

00:21:40.670 --> 00:21:43.630
Speaker 1: Und zwar zu unserer zweiten Frage ist ja das woher.

00:21:44.950 --> 00:21:47.390
Speaker 1: Und Daniel, vielleicht fangen wir nochmal mit dir an.

00:21:48.650 --> 00:21:57.690
Speaker 1: Daniel, würdest du sagen, als die Menschen religiös wurden oder wenn neue Religionen auch entstehen, bewirkt das irgendwie Gott?

00:21:57.950 --> 00:21:59.530
Speaker 1: Oder ja, was passiert da?

00:22:01.510 --> 00:22:11.430
Speaker 3: Also ich würde es eher so formulieren, dass Gott für den Menschen, der eben auf der Suche war, dass Gott für ihn zur Verfügung stand, als er nach ihm gesucht hat.

00:22:12.290 --> 00:22:21.710
Speaker 3: Und es ist natürlich schon gewissermaßen unsere Veranlagung und unsere Natur, diese existenziellen Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.

00:22:22.290 --> 00:22:32.870
Speaker 3: Und da wir ja Gottes Geschöpfe sind, hat uns Gott natürlich auch so fragend geschaffen und deswegen steckt er schon irgendwie dahinter.

00:22:34.090 --> 00:22:45.710
Speaker 3: als der Mensch religiös wurde, aber ich glaube trotzdem, dass der erste Schritt für diesen Kontakt und für den Austausch, der geht immer vom Menschen aus und er muss auch immer von Menschen aus gehen.

00:22:45.810 --> 00:23:07.010
Speaker 3: Also da gibt es auch so eine Episode mit dem jungen Propheten Samuel, der dann im Tempel diente und Gott sprach irgendwie zu ihm, aber er konnte es gar nicht richtig realisieren, er hörte den Ruf, aber die Kommunikation funktionierte erst, als er das realisiert hat und dann gesagt hat, hier bin ich und erst das hat sozusagen die Tür geöffnet.

00:23:07.410 --> 00:23:16.230
Speaker 3: Also das heißt, der Mensch muss irgendwie interagieren, muss die Fragen stellen und dann erst kommt die Religion in diese Beziehungsebene.

00:23:17.210 --> 00:23:29.550
Speaker 3: Ich wollte auch noch eine andere Sache sagen, nämlich dieser Religionsbegriff ist auch etwas, was glaube ich erst im Nachhinein so richtig dazu erfunden wurde, um es besser beschreiben und abgrenzen zu können.

00:23:29.630 --> 00:23:39.970
Speaker 3: Also ich glaube, die ersten Menschen hatten eine viel direktere und natürliche Beziehung zu Gott, ohne das wirklich zu hinterfragen oder irgendwie zu kategorisieren oder so.

00:23:41.610 --> 00:23:42.970
Speaker 3: So stellte sich die Beziehung dar.

00:23:43.350 --> 00:23:45.510
Speaker 3: Und also, Johanna, du bist ja auch Theologin.

00:23:46.590 --> 00:23:49.250
Speaker 3: Was sagst du, sagst du, die katholische Lehre?

00:23:49.890 --> 00:23:50.910
Speaker 3: War Gott am Werk?

00:23:51.750 --> 00:23:54.030
Speaker 3: Oder ist Gott am Werk, wenn Religionen entstehen?

00:23:55.990 --> 00:24:09.690
Speaker 1: Ja, Gott ist am Werk, muss ich sagen, ist so eine Formulierung, die ich persönlich, aber es liegt auch um mir persönlich, nicht so gerne mag, weil da schere ich mir dann immer so einen alten weißen Mann, vor der auf irgendeiner Wolke sitzt und da irgendwie so die Strippen zieht, sehr mechanisch.

00:24:10.590 --> 00:24:19.890
Speaker 1: Ich glaube, für mich ist es wichtig so die Unterscheidung zwischen Religion und Gott, weil ich würde sagen, Gott ist eine religiöse Größe.

00:24:20.870 --> 00:24:24.150
Speaker 1: Aber nicht jede Religion kennt die religiöse Größe Gott.

00:24:24.830 --> 00:24:28.470
Speaker 1: Weil es gibt auch Religionen, die eben keine theistischen Überzeugungen haben.

00:24:28.930 --> 00:24:29.950
Speaker 1: Was heißt theistisch?

00:24:30.450 --> 00:24:36.310
Speaker 1: Das heißt also eine nicht-theistische Überzeugung wäre zum Beispiel der Glaube an eine Vielzahl von Göttern.

00:24:37.250 --> 00:24:39.610
Speaker 1: Oder auch, wenn man an Engel und Dämonen glaubt.

00:24:40.130 --> 00:24:41.610
Speaker 1: Oder auch, was man auch viel in Deutschland hat.

00:24:41.710 --> 00:24:46.150
Speaker 1: Mittlerweile ist so ein Glaube an eine höhere Energie, die irgendwie im Universum ist.

00:24:46.210 --> 00:24:47.070
Speaker 1: Aber alles ist sehr vage.

00:24:48.050 --> 00:24:54.750
Speaker 1: Und ... Ja, also ich würde sagen, man kann sagen, es gibt unterschiedliche Kommunikationswege mit der Transcendenz.

00:24:55.610 --> 00:25:08.450
Speaker 1: Und vor allem wichtig auch für die katholische Kirche ist, dass die Vielfalt der Kommunikationswege auch sehr identitätsstiftend war und ist und wertvoll, denn Jesus war Jude.

00:25:09.070 --> 00:25:13.530
Speaker 0: Im Islam gibt es ja den ganz schönen Gedanken der Futra.

00:25:14.110 --> 00:25:23.810
Speaker 0: Also so etwas wie eine Grundoffenheit des Menschen für das Gute und für Gott, so ein gewisser Instinkt vielleicht sogar.

00:25:24.730 --> 00:25:40.330
Speaker 0: Und deshalb würde ich sagen, wenn Religion entsteht, dann hat das auch damit zu tun, dass Menschen auf ihre eigene Weise, auf diese natürliche Veranlagung, auf diese innere Offenheit reagieren.

00:25:41.510 --> 00:25:48.270
Speaker 0: Und deswegen würde ich das so sehen, dass Gott vielleicht keine Religion im technischen Sinne produziert.

00:25:49.170 --> 00:25:55.770
Speaker 0: Aber er ist eben präsent in den Momenten, in den Menschen nach diesem Sinn fragen.

00:25:56.390 --> 00:26:01.370
Speaker 0: Sinn des Lebens, Sinn der Existenz, Sinn für Gutes und Böses.

00:26:02.170 --> 00:26:10.030
Speaker 0: Und Religionen sind dann sozusagen auch ein bisschen unsere eigenen Versuche, auf diese tiefere Dimension zu antworten.

00:26:10.990 --> 00:26:13.690
Speaker 0: So würde ich das jetzt auch als Muslim sehen.

00:26:14.530 --> 00:26:30.350
Speaker 0: Aber Sie, Professor Körner oder Hojam, wie wir uns ja auch ansprechen, Sie waren ja auch gefragt und ist Gott laut christlichem Denken am Werk, wenn zum Beispiel eine neue Religion entsteht, so wie Johanna gerade gefragt hatte?

00:26:31.970 --> 00:26:40.710
Speaker 2: Ja, ich meine schon, dass wir als christliche Theologen sagen sollen, Gott ist am Werk in der Geschichte.

00:26:42.250 --> 00:26:51.010
Speaker 2: überall in der Geschichte, aber natürlich nicht so, wie auch Fortan ganz richtig und überzeugend gesagt hat, nicht als Strippenzieher.

00:26:51.430 --> 00:26:55.210
Speaker 2: Wir sind keine Marionetten, wir sind schon frei, er steuert uns nicht.

00:26:56.050 --> 00:27:02.910
Speaker 2: Trotzdem ist aber alles, was geschieht, ein Ruf Gottes, eine Einladung Gottes, Einladung wozu?

00:27:05.830 --> 00:27:11.070
Speaker 2: Beteilige dich an der Verwirklichung meines Projektes.

00:27:13.070 --> 00:27:14.210
Speaker 2: Und was ist sein Projekt?

00:27:14.910 --> 00:27:19.210
Speaker 2: Wir Christinnen und Christen erkennen das am besten in der Auferstehung Jesu.

00:27:20.430 --> 00:27:25.270
Speaker 2: Das heißt ewige, liebevolle Gemeinschaft aller.

00:27:28.590 --> 00:27:41.670
Speaker 2: Wenn wir jetzt gerade die Religionen anschauen, nicht nur jedes Ereignis in der Geschichte, sondern die Entstehung einer neuen Religion, dann kann man natürlich sagen, da ist es recht, Gottes Einladung sich am seinem Projekt zu beteiligen, besonders gut sichtbar.

00:27:42.970 --> 00:27:51.410
Speaker 2: Aber Bei allen Ereignissen ist eben nicht nur Gottes Handeln, sondern auch das Handeln der Geschöpfe beteiligt.

00:27:51.870 --> 00:28:01.610
Speaker 2: Und da ist eben dann nicht nur die Klarheit und der Ruf und die Einladung, sondern auch menschliche Behinderung dieser Verwirklichung.

00:28:02.310 --> 00:28:27.690
Speaker 2: Und so muss man das auch bei den Religionen immer sagen, ja, Gott lädt besonders durch eine Religion Menschen ein, ist am Werk, aber Wir können durch unsere Habsucht, ich will das jetzt haben und ich will das für mich haben und genau festlegen, sodass andere da vielleicht davon Nachteil haben, natürlich dann wieder eingeschränkt.

00:28:28.290 --> 00:28:40.930
Speaker 2: Gott ist drin, Gott handelt da, aber wir halt auch und müssen uns immer deutlicher klar werden, wie lautet denn wirklich dein Ruf, deine Einladung?

00:28:42.590 --> 00:28:44.530
Speaker 2: Insofern ist es Gottes Wirken.

00:28:45.530 --> 00:28:52.270
Speaker 2: Würde mich jetzt nochmal interessieren, ob Sie aufeinander noch mal eingehen wollen, was wir da eben gehört haben?

00:28:53.810 --> 00:28:57.530
Speaker 0: Ich würde tatsächlich noch einen kleinen Akzent setzen wollen.

00:28:58.710 --> 00:29:07.370
Speaker 0: Jetzt nicht im Sinne von Nachhacken, sondern als Ergänzung zu meiner eigenen Aussage, damit es die Hörerinnen auch besser verstehen.

00:29:08.230 --> 00:29:12.710
Speaker 0: Ich habe ja diese Grundoffenheit, diesen Gedanken der Fütter.

00:29:13.510 --> 00:29:49.450
Speaker 0: kurz besprochen und vielleicht ist es ganz nützlich, dass ich sage, dass im Islam Gott dem Menschen nicht fern ist oder jetzt nicht unbedingt super abstrakt, denn im Koran heißt es tatsächlich, dass Gott dem Menschen näher ist als seine Halsschlagader und das ist ja schon sehr bezeichnend und ich finde, dass diese Nähe zu Gott den Alltag von Musliminnen und Muslimen sehr stark prägt und auch ganz konkret im Alltag auch zu beobachten ist.

00:29:52.130 --> 00:29:55.750
Speaker 2: Ich gehe noch mal auf eine Sache ein, die Rabbi Fabian gebracht hat.

00:29:56.890 --> 00:30:01.570
Speaker 2: Der erste religiöse Impuls, so hatte ich sie verstanden, ist auf der Seite der Menschen.

00:30:02.910 --> 00:30:11.650
Speaker 2: Aber wenn Sie dann die Geschichte von Samuel erzählen, da ist doch eigentlich der erste Impuls ... Von Gottes Seite Samuel, Samuel ruft eher.

00:30:12.510 --> 00:30:23.750
Speaker 2: Oder meinen Sie dann, ja gut, der Anruf kommt von Gott, aber was dann wirklich Religion ist, nämlich zu verstehen, was da geschieht, das ist dann eben die menschliche Leistung.

00:30:23.830 --> 00:30:25.090
Speaker 2: Also da nochmal diese Nachfrage.

00:30:25.450 --> 00:30:25.730
Speaker 3: Genau.

00:30:26.030 --> 00:30:28.590
Speaker 3: Ja, ich hab ich, ich soll das vielleicht wirklich klarer sagen.

00:30:29.270 --> 00:30:36.990
Speaker 3: Ich hab das Gefühl, also als Menschen ... schauen wir eigentlich immer so, was ist um uns herum und alles kommuniziert irgendwie mit uns.

00:30:37.410 --> 00:30:45.450
Speaker 3: Also wir schauen uns unser Umfeld an und unser Umfeld ist ja auch wirkt auf uns und daraus resultieren dann Fragen.

00:30:45.530 --> 00:30:56.510
Speaker 3: Ob das jetzt sozusagen Gott ist der Samuel ruft oder ob das eine Erfahrung ist, dass wir dabei sind, wenn jemand anderes stirbt oder dass jemand geboren wird.

00:30:57.030 --> 00:31:00.850
Speaker 3: All diese Sachen wirken erstmal sozusagen von außen auf uns.

00:31:01.370 --> 00:31:10.910
Speaker 3: Und Religion ist dann unser Schritt darauf zu, um das Warum und Wie und so weiter zu klären.

00:31:11.390 --> 00:31:12.410
Speaker 3: So meint ich das.

00:31:12.530 --> 00:31:16.270
Speaker 3: Also der Ruf kommt immer von außen zu uns in irgendeiner Form.

00:31:17.030 --> 00:31:20.390
Speaker 3: Aber Religion entsteht eigentlich erst dann, wenn wir die Fragen stellen.

00:31:20.470 --> 00:31:21.070
Speaker 3: So meint ich das.

00:31:22.550 --> 00:31:28.550
Speaker 1: Es braucht also eine Antwort, höre ich da so ein bisschen raus vom Menschen, der sich dann dazu der Frage verhält?

00:31:29.470 --> 00:31:30.350
Speaker 1: oder zu dem Anruf.

00:31:31.970 --> 00:31:33.290
Speaker 1: Habe ich dich richtig verstanden, Daniel?

00:31:34.510 --> 00:31:34.770
Speaker 3: Genau.

00:31:35.150 --> 00:31:38.410
Speaker 3: Und das ist dann auch der Beginn der Religion.

00:31:39.670 --> 00:31:40.150
Speaker 1: Spannend.

00:31:40.810 --> 00:31:43.250
Speaker 1: Ja, ich lade jetzt einen noch einen Schritt weiter zu gehen.

00:31:43.370 --> 00:31:46.010
Speaker 1: Und zwar zu der Frage, Religion wozu?

00:31:46.990 --> 00:31:50.930
Speaker 3: Meinst du jetzt, wir sollen überlegen, wozu Religionen in der Gesellschaft dienen sollen?

00:31:51.010 --> 00:31:51.930
Speaker 3: Oder wie meinst du das?

00:31:53.370 --> 00:31:58.750
Speaker 1: Nee, also auch, ich würde sagen, man kann das nochmal ausdifferenzieren auf zwei Dimensionen.

00:31:58.830 --> 00:31:59.750
Speaker 1: Also Religion wozu?

00:31:59.970 --> 00:32:09.810
Speaker 1: für den Einzelnen, also die individuelle Ebene, aber auch für die gesellschaftliche Dimension, weil wir sprechen ja auch von Religionsgemeinschaften.

00:32:11.310 --> 00:32:15.970
Speaker 0: Aha, okay, also du sprichst hier tatsächlich von zwei Wurzufragen.

00:32:16.830 --> 00:32:20.070
Speaker 0: Ich würde gleich erstmal sagen, mich interessiert eigentlich beides.

00:32:20.330 --> 00:32:28.670
Speaker 0: Also ich sage es erstmal ganz wissenschaftlich, die gesellschaftliche Funktion von der Religion und auch die existenzielle Funktion von der Religion.

00:32:29.290 --> 00:32:36.890
Speaker 0: Aber lasst uns, wenn es in Ordnung ist, ruhig mal mit der Frage anfangen, was erhoffen sich eigentlich religiöse Menschen, wenn sie glauben.

00:32:37.890 --> 00:32:39.330
Speaker 3: Ja, aber dann fangen doch gleich an.

00:32:39.470 --> 00:32:42.490
Speaker 3: Also, wenn du die Frage stellst, hast du da direkt eine Antwort darauf?

00:32:43.830 --> 00:32:47.770
Speaker 0: Ja, also es gibt eine klassische Antwort, auf die ich ganz gerne zurückgreife.

00:32:48.330 --> 00:32:53.630
Speaker 0: Und zwar, dass sich Menschen vom Islam Rechtleitungen wünschen oder so etwas auch erwarten.

00:32:54.650 --> 00:33:01.070
Speaker 0: Arabisch würde man das jetzt Hudanen, aber das Wort kommt im Koran auch häufig vor.

00:33:01.590 --> 00:33:06.730
Speaker 0: Wir beten eben jeden Tag zu Gott und sagen, führe uns den geraden Weg.

00:33:07.510 --> 00:33:08.570
Speaker 0: Also Rechtleitung.

00:33:09.090 --> 00:33:13.430
Speaker 0: Das ist vielleicht jetzt im heutigen Sinne etwas altertymliches Wort.

00:33:14.090 --> 00:33:18.350
Speaker 0: Aber was damit gemeint ist, das empfinde ich auch so als Muslim.

00:33:18.970 --> 00:33:27.410
Speaker 0: Denn der Islam, meine Religion, gibt meinem Tag eine gewisse Ordnung und in meinem ganzen Leben auch sowas wie eine Ausrichtung.

00:33:28.110 --> 00:33:32.110
Speaker 0: Also, man kann es vielleicht sogar auch als Training sehen.

00:33:33.710 --> 00:33:46.070
Speaker 0: Als Training, damit ich ... ... immer mehr nach Gottes Wille leben kann ... ... und ihn auch zufrieden stellen kann ... ... und auch davon einen Nutzen ... ... für mich selbst ziehen kann im Alltag.

00:33:47.350 --> 00:33:48.650
Speaker 0: Wie würdest du das sehen, Daniel?

00:33:49.610 --> 00:33:51.770
Speaker 3: Also erst mal kann ich das sehr gut nachvollziehen.

00:33:52.750 --> 00:34:01.830
Speaker 3: Und weil das Judentum hat auch ganz viele Vorschriften eigentlich, die wir uns halten sollen, es sind insgesamt sechshundert und dreizehn verschiedene Gebote.

00:34:02.710 --> 00:34:10.590
Speaker 3: Und dadurch lassen wir uns, wenn wir die erfüllen, natürlich auch immer mehr auf den Willengottes ein.

00:34:10.929 --> 00:34:18.610
Speaker 3: Und eines davon ist natürlich auch das Studium der Torah, das Studium der Bibel, in diesem Fall der Fünfbücher Moses.

00:34:19.990 --> 00:34:38.770
Speaker 3: Dadurch wollen wir aber nicht einfach nur uns an sozusagen den vorgeschriebenen Willen Gottes halten, sondern wir wollen durch das Tora-Studium Gott natürlich auch besser verstehen und das Wesen Gottes verstehen, wissen, wer Gott wirklich ist, wie er sich offenbart oder er offenbart sich ja gerade in der Schrift.

00:34:38.850 --> 00:34:48.610
Speaker 3: Also das Studium als besondere Vorschrift dient auch einem besseren Verständnis dafür, wie Gott sich eigentlich selbst darstellt.

00:34:49.250 --> 00:34:50.909
Speaker 3: Das ist sozusagen eine zweite Ebene.

00:34:51.190 --> 00:34:57.150
Speaker 3: Erste Ebene ist also überhaupt die Vorschriften auszufüllen.

00:34:57.390 --> 00:35:03.010
Speaker 3: Zweite Ebene verstehen, wer Gott ist durch das Studium seiner Schriften.

00:35:03.810 --> 00:35:08.450
Speaker 3: Und dann würde ich noch eine dritte Ebene hinzufügen, die eher so auf der Gefühlsebene ist.

00:35:09.050 --> 00:35:16.350
Speaker 3: Und zwar... Wenn wir das Judentum leben, dann klingen wir uns in einer Jahrtausend alte Geschichte unseres Volkes ein.

00:35:16.450 --> 00:35:20.690
Speaker 3: Also die Überlieferung ist ja, dass das Judentum seit drei tausend dreihundert Jahren gibt.

00:35:20.750 --> 00:35:22.870
Speaker 3: Und das ist eine durchgehende Kette.

00:35:23.630 --> 00:35:38.110
Speaker 3: Und natürlich, wenn wir uns da einklicken, ein klingen, wenn wir dort mitmachen, dann gehören wir irgendwie auch dazu, zu der Geschichte, die dann geschrieben wird, oder?

00:35:38.590 --> 00:35:39.310
Speaker 3: Was sagst du, Johanna?

00:35:39.430 --> 00:35:44.470
Speaker 3: Also, was erhofft sich deiner Meinung nach religiöse Menschen, wenn sie glauben?

00:35:45.930 --> 00:35:52.210
Speaker 1: Ja, ich nehme noch mal diese beiden Ebenen auf, also die individuelle Ebene und die gesellschaftliche Ebene.

00:35:52.730 --> 00:35:58.230
Speaker 1: Ich würde sagen, auf individueller Ebene ist es die Kommunikation mit Transcendenz für mein persönliches Leben.

00:35:58.990 --> 00:36:08.770
Speaker 1: Und jetzt bei mir, Johanna, wäre das Jesus nachzufolgen und mein Leben ... mit diesem Jesus zu leben und es auch mit Gott sozusagen zu deuten.

00:36:09.210 --> 00:36:11.690
Speaker 1: Also so ein bisschen Freiheit im Quadrat.

00:36:11.830 --> 00:36:14.970
Speaker 1: Also der Rahmen ist klar und dem Rahmen bewege ich mich.

00:36:16.510 --> 00:36:23.630
Speaker 1: Und gleichzeitig tue ich das ja nicht komplett alleine, sondern ich existiere in meiner Religionsgemeinschaft, in gesellschaftlichen Bezügen.

00:36:24.370 --> 00:36:26.630
Speaker 1: Meine Religionsgemeinschaft ist die katholische Kirche.

00:36:26.790 --> 00:36:31.870
Speaker 1: Von daher hat es auch immer diesen individuellen Charakter.

00:36:32.610 --> 00:36:36.670
Speaker 1: wie ich das privat lebe, aber auch einen öffentlichen Charakter.

00:36:37.330 --> 00:36:41.290
Speaker 1: Und ich glaube, diesen Öffentlichkeitscharakter, das haben irgendwie alle Religionen.

00:36:41.390 --> 00:36:44.410
Speaker 1: Und in der Forschung spricht man davon Public Religion.

00:36:45.270 --> 00:36:49.450
Speaker 1: Und genau, ich glaube, diese beiden Ebenen, die darf man nicht trennen, die gehören irgendwie zusammen.

00:36:51.850 --> 00:37:03.610
Speaker 2: Gut, ich würde aber trotzdem noch mal bei der ersten Sichtweise individuell existenzielle Bedeutung von ... Christentum jetzt bleiben.

00:37:05.770 --> 00:37:12.430
Speaker 2: Ich glaube, wenn Menschen so den Kern des christlichen Glaubens erfassen, dann können sie sowas sagen, wie.

00:37:12.990 --> 00:37:20.010
Speaker 2: was ich mir davon erwarte, was ich davon auch bekomme, ist Leben mit Christus.

00:37:22.690 --> 00:37:27.130
Speaker 2: Ruhig wieder, wie so eine Kurzformel, die auf verschiedener Ebene verstanden werden kann.

00:37:27.590 --> 00:37:38.750
Speaker 2: Leben mit Christus kann erstmal heißen, ja, ich möchte Ich erhoffe mir und manchmal dann schon, ich spüre auch, der auferstandene Christus begleitet mich.

00:37:38.830 --> 00:37:39.690
Speaker 2: Er ist mein Gefährte.

00:37:40.050 --> 00:37:50.670
Speaker 2: Zum Beispiel haben die ersten Jesuiten vor über vierhundert Jahren dieses alte Logo für Jesus, IHS.

00:37:51.630 --> 00:37:56.210
Speaker 2: Eigentlich so eine griechische Abkürzung für Jesus, das Jesus-Monogramm.

00:37:56.910 --> 00:38:03.750
Speaker 2: Anders gedeutet auf Lateinern und haben gesagt, IHS bedeutet Jesu Habemus Sozium.

00:38:03.970 --> 00:38:19.450
Speaker 2: Wir haben Jesus als Gefährten oder manche kennen diese wunderschöne Ikone ägyptisch aus dem achten Jahrhundert, wo Christus etwas größer dem kleineren Menas seinen Arm um die Schulter legt und ihn begleitet.

00:38:19.530 --> 00:38:24.110
Speaker 2: Also diese Begleitung Jesu, er ist mein Gefährte.

00:38:24.930 --> 00:38:29.350
Speaker 2: Aber Leben mit Christus kann man dann eben auch nochmal anders hören.

00:38:30.990 --> 00:38:35.870
Speaker 2: Als Christen sind wir ja von dieser Auferstehungsfreude gepackt.

00:38:36.030 --> 00:38:39.310
Speaker 2: Da steht alles so im Licht von Ostern.

00:38:39.430 --> 00:38:45.950
Speaker 2: Da ist eine Freudenquelle, die anderswo nicht zu finden ist, weil die über die Welt hinausgeht.

00:38:46.490 --> 00:38:53.370
Speaker 2: Und wenn ich um diese Freude wissen darf, dann muss ich keine Angst mehr um mich selbst habe.

00:38:53.430 --> 00:39:01.530
Speaker 2: Und wenn ich keine Angst mehr um mich selbst habe, dann kann ich auch wirklich liebevoll, riskant Leben.

00:39:02.470 --> 00:39:09.310
Speaker 2: Und daraus folgt dann automatisch ein anderer Lebensstil, eine Sorge um die Gemeinschaft.

00:39:09.770 --> 00:39:16.330
Speaker 2: Darauf sollten wir natürlich jetzt echt nochmal eingehen, was das gesellschaftlich bedeutet.

00:39:17.550 --> 00:39:19.110
Speaker 2: Will Rabbi Fabian da mal weitermachen?

00:39:19.970 --> 00:39:20.670
Speaker 3: Ja eben, genau.

00:39:20.770 --> 00:39:29.570
Speaker 3: Also das das gesellschaftliche ist natürlich ganz ganz wichtig und man könnte dann natürlich fragen also wozu gibt es eigentlich dann die Religionen?

00:39:29.750 --> 00:39:35.690
Speaker 3: im Sinn von welchen gesellschaftlichen Zweck, Entschuldigung, können die eigentlich erfüllen?

00:39:35.890 --> 00:39:39.790
Speaker 3: Also was können Religionen für Gesellschaften leisten?

00:39:40.510 --> 00:39:52.490
Speaker 3: Und ich würde ja erst mal betonen wollen, dass also jetzt meine Religion nicht dazu da ist, irgendwie einen gesellschaftlichen Zweck zu erfüllen, sondern erst mal Gott gut zu dienen.

00:39:52.650 --> 00:39:56.810
Speaker 3: Also der Fokus ist erst mal bei der Religion ja zunächst mal auf Gott.

00:39:57.850 --> 00:40:10.690
Speaker 3: Aber Wenn Menschen Gott dienen und das richtig machen, was auch immer richtig bedeutet, dann spielen sie natürlich auch eine gute Rolle und eine große Rolle in der Gesellschaft.

00:40:11.730 --> 00:40:16.190
Speaker 3: Also ein Beispiel, wo ich das nennen würde, ist die Zdaka.

00:40:16.710 --> 00:40:18.290
Speaker 3: Das gibt es auch im Islam.

00:40:19.810 --> 00:40:21.350
Speaker 3: Und heißt da, glaube ich, auch ganz ähnlich.

00:40:21.390 --> 00:40:22.830
Speaker 3: Das wird man zu uns vielleicht gleich sagen.

00:40:22.930 --> 00:40:25.470
Speaker 3: Aber Starcar bedeutet Gerechtigkeit.

00:40:25.550 --> 00:40:27.830
Speaker 3: Damit ist aber eigentlich gemeint, Spenden zu geben.

00:40:27.890 --> 00:40:30.430
Speaker 3: Das ist zunächst mal ein Gebot.

00:40:30.730 --> 00:40:31.990
Speaker 3: Ein bestimmter Anteil.

00:40:32.210 --> 00:40:38.830
Speaker 3: Normalerweise sind es zehn Prozent von seinem Einkommen für wohltätige Zwecke, der Gesellschaft zu geben.

00:40:38.890 --> 00:40:43.610
Speaker 3: Wir tun das erst mal in dem Bewusstsein, dass es ein Gebot ist, um Gott damit zu dienen.

00:40:43.850 --> 00:40:56.990
Speaker 3: Aber wenn wir das tun, entsteht daraus eigentlich immer ein gesellschaftlicher Nutzen, weil die Gebote sich der Gestalt so darstellen, dass sie immer die Gesellschaft verbessern können.

00:40:57.630 --> 00:41:00.670
Speaker 3: Und das ist also definitiv im Judentum so.

00:41:01.330 --> 00:41:08.930
Speaker 3: Mir scheint, dass im Islam noch stärk ist, auch eine der Säulen, dass es in der Religion ist, die Verantwortung.

00:41:10.330 --> 00:41:13.210
Speaker 3: für die Gesellschaft eigentlich übernimmt und denkt.

00:41:13.930 --> 00:41:18.650
Speaker 3: Und das Judentum war ja eigentlich immer eher eine Minderheitsreligion.

00:41:19.330 --> 00:41:22.910
Speaker 3: Und der Islam hat er bei vielen anderen Ländern auch vorherrschaft.

00:41:22.970 --> 00:41:24.430
Speaker 3: Also, wie siehst du das man so?

00:41:26.030 --> 00:41:28.250
Speaker 0: Ja, du hast ganz gut angefangen.

00:41:29.750 --> 00:41:31.350
Speaker 0: Ich würde da mal direkt weitermachen.

00:41:31.630 --> 00:41:32.670
Speaker 0: Hoffentlich genauso gut.

00:41:33.850 --> 00:41:38.690
Speaker 0: Du beziehst dich wahrscheinlich auf dieser Kert, also die Almosensteuer.

00:41:39.630 --> 00:41:58.130
Speaker 0: Ja, eine der Grundsäulen oder eine der fünf Säulen des Islams und da steht natürlich das Gemeinwohl oder diese materiell gerechte Verteilung von Hab und Gut ganz zentral im Vordergrund.

00:42:00.070 --> 00:42:10.290
Speaker 0: Wir wissen ja alle, dass der Professor uns vor dem Vergleichen warnt, weil wir ja auch das Ziel haben, voneinander zu lernen und uns herauszufordern.

00:42:10.950 --> 00:42:24.090
Speaker 0: Aber ich denke, hier lohnt sich tatsächlich auch ein Vergleich, weil, das hast du ganz gut angesprochen, Daniel, der Islam hat eine sehr, sehr starke Tradition, soziale Verantwortung immer mitzubedenken.

00:42:25.170 --> 00:42:42.730
Speaker 0: Und da ist für mich zum Beispiel als Muslim oder auch für viele andere auch ganz zentral, das Konzept oder die Vorstellung, dass Gott den Menschen als Stadthalter auf Erden eingesetzt hat, also auch mit dieser Intention erschaffen hat.

00:42:43.470 --> 00:42:45.450
Speaker 0: Was heißt das jetzt für mich im Alltag?

00:42:46.490 --> 00:42:48.190
Speaker 0: Das muss man auch gar nicht so abstrakt sehen.

00:42:48.370 --> 00:42:56.450
Speaker 0: Das bedeutet einfach, ich soll Verantwortung übernehmen für diese Gesellschaft, für Gerechtigkeit, für das Zusammenleben.

00:42:57.370 --> 00:42:59.010
Speaker 0: Ich kann es natürlich auch global denken.

00:43:00.730 --> 00:43:05.990
Speaker 0: in dieser Geschichte, also in unserer Geschichte, die war ja nicht immer konfliktfrei.

00:43:06.170 --> 00:43:10.850
Speaker 0: Es hat auch unzählige Konflikte zwischen Religionen gegeben, zwischen Zivilisationen.

00:43:11.530 --> 00:43:20.710
Speaker 0: Und da muss man natürlich auch gerechterweise betonen, dass dieses islamische Konzept auch ganz bewusst machtpolitisch gedeutet wurde und auch so ausgelebt wurde.

00:43:22.610 --> 00:43:33.150
Speaker 0: Aber mich persönlich interessiert besonders, wie Religion Orientierung geben kann, ohne eben ... auf dieser Ebene politisch missbraucht zu werden.

00:43:34.090 --> 00:43:36.870
Speaker 0: Und in meiner eigenen Forschung spielt das auch eine Rolle.

00:43:37.050 --> 00:43:43.910
Speaker 0: Ich forsche zur islamischen Ethik und zu ihrer Rolle in interreligiösen Partnerschaften.

00:43:46.250 --> 00:44:01.330
Speaker 0: Deswegen würde ich jetzt vor diesem Hintergrund sagen, ja, Religion hat besonders dann einen gesellschaftlichen Wert, wenn sie Menschen befähigt, verantwortungsvoll, fair, aber auch dialogorientiert zu leben.

00:44:02.210 --> 00:44:15.630
Speaker 0: Also, meine Religion sagt mir nicht, dass ich in meinem stillen Kemmerlein arbeiten soll und jetzt nicht im Alltag mit euch oder mit Menschen, die jetzt anders denken, verkehren soll.

00:44:15.730 --> 00:44:16.690
Speaker 0: Nein, ganz im Gegenteil.

00:44:17.730 --> 00:44:29.730
Speaker 0: Und deswegen, finde ich, ist ganz wichtig zu betonen, dass Religion im Idealfall eben ... diese machtpolitische Ebene nicht bedienen sollte.

00:44:30.950 --> 00:44:36.590
Speaker 0: Und ich versuch das auch in meiner Forschung, aber auch meinem Alltag zu implementieren.

00:44:37.410 --> 00:44:41.770
Speaker 0: Aber genug zu mir, Johanna, du forscht ja auch in deiner Doktorarbeit genau zu solchen Fragen.

00:44:44.110 --> 00:44:50.590
Speaker 0: Welche Rolle will eigentlich das Christentum oder deine Religion in unserer Gesellschaft haben?

00:44:51.150 --> 00:44:52.310
Speaker 0: Wie würdest du das beschreiben?

00:44:53.570 --> 00:45:00.130
Speaker 1: Ich beginne mal meine Antwort mit einem Zitat aus der Bibel, und zwar aus dem ersten Petrusbrief drei, fünfzehn.

00:45:00.170 --> 00:45:00.850
Speaker 1: Das ist ganz kurz.

00:45:00.910 --> 00:45:09.410
Speaker 1: Da heißt es, seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.

00:45:10.490 --> 00:45:13.130
Speaker 1: Und ich finde, da steckt eigentlich meine Antwort genau drin.

00:45:13.930 --> 00:45:14.290
Speaker 1: Warum?

00:45:14.670 --> 00:45:18.790
Speaker 1: Weil hier wird dieser Öffentlichkeitsanspruch adressiert.

00:45:18.870 --> 00:45:20.590
Speaker 1: Also es geht darum, wenn mich jemand fragt.

00:45:21.310 --> 00:45:23.290
Speaker 1: Wieso erfüllt ich eigentlich diese Hoffnung?

00:45:23.630 --> 00:45:28.970
Speaker 1: Dann muss ich dem, auch wenn er damit gar nichts zu tun hat, rational begründen, wieso das so ist.

00:45:29.770 --> 00:45:38.910
Speaker 1: Und das heißt, diese Hoffnung ist nicht nur so ein Gefühl, sondern diese Hoffnung ist auch eine Haltung, mit der ich argumentieren kann und die ich anderen erklären kann.

00:45:39.530 --> 00:45:47.830
Speaker 1: Das heißt, das Christentum hat, würde ich sagen, in der Gesellschaft eine formative Prägekraft, die den Einzelnen prägt und auch die Gesellschaft prägen kann.

00:45:48.670 --> 00:45:52.250
Speaker 1: Und in diesem Zusammenhang spricht Jesus immer vom Reich Gottes.

00:45:52.310 --> 00:45:55.510
Speaker 1: Der sagt immer, das Reich Gottes ist nahe, kehrt um.

00:45:56.030 --> 00:46:00.670
Speaker 1: Und er sagt dann auch noch, glaubt an das Evangelium, also glaubt an die frohe Botschaft.

00:46:01.550 --> 00:46:07.690
Speaker 1: Und ich glaub, wichtig ist es, dass sozusagen das Christentum die Hoffnung, die es hat, nachvollziehbar macht.

00:46:08.230 --> 00:46:10.650
Speaker 1: erkennbar macht und wirksam werden lässt.

00:46:11.390 --> 00:46:22.850
Speaker 1: Wirksam werden lässt würde zum Beispiel bedeuten, in Deutschland gibt es ja so Hilfswerke, die gibt es in Deutschland, also zum Beispiel Obdachlosen, Hilfe, Suppenküchen, die setzen sich ganz praktisch um.

00:46:24.490 --> 00:46:33.770
Speaker 1: Aber auch international, es gibt zum Beispiel das Hilfswerk Miserior, das sagt ja okay, also schön, dass wir hier unsere Ländergrenzen haben, aber es interessiert einen schon als Christ.

00:46:34.210 --> 00:46:37.230
Speaker 1: Wie geht es eigentlich den Menschen im globalen Süden?

00:46:37.630 --> 00:46:44.590
Speaker 1: Und genau, also da wird diese Hoffnung wirksam durch einen Einsetzen für Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen.

00:46:44.650 --> 00:46:47.450
Speaker 1: Und das nicht nur in Deutschland, sondern auch der Weltgesellschaft.

00:46:48.030 --> 00:46:49.610
Speaker 2: Okay, da gehe ich auch noch mal ein bisschen drauf ein.

00:46:51.690 --> 00:46:59.990
Speaker 2: Zum einen, Manzo Torga, hatten Sie eben schon dieses Problem angesprochen, Missbrauchbarkeit von Religion.

00:47:00.770 --> 00:47:07.190
Speaker 2: Und dann kam eben Frau Tan auf den Übergang vom Erklären.

00:47:08.470 --> 00:47:16.330
Speaker 2: von Glauben zum praktizierten Glauben, der in der Welt etwas bewirkt, jetzt nicht nur durch Worte.

00:47:18.010 --> 00:47:23.510
Speaker 2: Also, wenn ich gefragt werde, woran kann man denn sehen, dass eine Religion missbraucht wird?

00:47:24.450 --> 00:47:26.850
Speaker 2: Was ist denn das Wesen von Religion?

00:47:27.510 --> 00:47:30.330
Speaker 2: Dann biete ich jetzt die Formel an.

00:47:31.250 --> 00:47:36.050
Speaker 2: Religion ist die Anerkennung des anderen in einem immer wachsenden Sinne.

00:47:36.930 --> 00:47:40.990
Speaker 2: Natürlich ist erstmal die Anerkennung Gottes, die wir erfahren und wir erkennen dann Gott an.

00:47:41.950 --> 00:47:54.630
Speaker 2: Aber dann erkennt man eben auch den anderen Menschen, die Schöpfung, eine Tradition, die Freiheit, die unterschiedlichen Möglichkeiten.

00:47:54.710 --> 00:47:57.390
Speaker 2: Also da steckt immer so viel drin Anerkennung des anderen.

00:47:59.490 --> 00:48:23.770
Speaker 2: Und wenn das nicht geschieht, wenn der andere Mensch mit meiner Religion an Lebensmöglichkeiten einbüßt und zu einem unwürdigeren Leben kommt, dann ist es eben keine wirkliche Religion, sondern es ist eine missbrauchte Religion.

00:48:26.450 --> 00:48:34.270
Speaker 2: Ich deswegen würde ich auf jeden Fall sagen, ja, Christentum ist nicht nur für die private Seele, sondern hat einen Weltgeschaltungsanspruch.

00:48:34.990 --> 00:48:37.890
Speaker 2: Danke auch Frau Tannen für die Erinnerung daran.

00:48:38.610 --> 00:48:40.110
Speaker 2: Wir bereiten das Reich Gottes vor.

00:48:40.190 --> 00:48:45.230
Speaker 2: Wir dürfen von der Freude des Reiches Gottes erfüllt schon daran mitarbeiten.

00:48:45.470 --> 00:48:57.910
Speaker 2: Aber das heißt natürlich auch, wir können es nicht selber auf die Welt bringen und vor allem wir dürfen es nicht mit Gewalt, mit Zwangsmaßnahmen oder so durchzusetzen versuchen.

00:48:57.950 --> 00:49:06.230
Speaker 2: Das klappt überhaupt nicht und es ist genau das Gegenteil von dem, was jede Religion wollen soll und was wir als Christinnen und Christen auch wollen.

00:49:06.290 --> 00:49:07.650
Speaker 2: Wir wollen Zeugnis geben.

00:49:08.810 --> 00:49:26.670
Speaker 2: in Wort und Tat und dadurch den Menschen Orientierung auch Inspirationen schenken, auch kritisch sein und so den Stil der Wirtschaft, der Kultur, der Politik mitprägen als Zeuginnen und Zeugen.

00:49:31.710 --> 00:49:35.990
Speaker 2: Also ich würde sogar sagen, damit haben wir ein Maßstab für gute Politik.

00:49:36.450 --> 00:49:46.930
Speaker 2: Also welche Sandeln, welche Entscheidungen bringt uns dem uns von Christus vor gelebten, geschenkten Gottesreich näher.

00:49:48.890 --> 00:49:51.130
Speaker 1: Ja, das finde ich eine richtig spannende Frage.

00:49:51.210 --> 00:49:55.630
Speaker 1: Zum Schluss, also welches Handeln bringt uns dem Reich Gottes näher?

00:49:56.290 --> 00:50:02.750
Speaker 1: Ich glaube, die sollten wir uns in unseren Fragenspeicher setzen und für die nächsten Folgen dann nochmal rausholen.

00:50:03.730 --> 00:50:06.190
Speaker 1: Und damit würde ich jetzt in die nächste Kategorie sprengen.

00:50:06.230 --> 00:50:07.750
Speaker 1: Die heißt Alles klar.

00:50:10.790 --> 00:50:11.430
Speaker 0: Alles klar.

00:50:13.130 --> 00:50:19.650
Speaker 1: in der wir jetzt noch mal ein bisschen reflektieren, was wir aus diesem Gespräch mitnehmen, was ist euch vielleicht besonders klar geworden?

00:50:20.830 --> 00:50:27.490
Speaker 1: Und ja, also, Manzo, magst du mal anfangen, was ist dir in den letzten vierzig Minuten besonders klar geworden?

00:50:27.830 --> 00:50:28.670
Speaker 0: Ja, sehr gerne.

00:50:30.030 --> 00:50:50.150
Speaker 0: Man muss das Ganze ja auch noch im Nachhinein reflektieren, aber jetzt spontan, was ich sagen könnte, für mich wird eigentlich hängen bleiben, dass ... wir ganz unterschiedliche Perspektiven haben, aber dass diese sich trotzdem ganz gut ergänzen lassen.

00:50:51.270 --> 00:51:00.050
Speaker 0: Ich fand zum Beispiel extrem spannend, dass wir diese Frage nach dem Ursprung von Religion unterschiedlich beantwortet haben.

00:51:00.170 --> 00:51:12.590
Speaker 0: Ja, aber wir alle haben beschrieben, dass Religion Menschen ordnen kann, verbinden kann und auch sowas wie wie den größeren Horizont eröffnet.

00:51:13.450 --> 00:51:17.910
Speaker 0: Also wirklich so ein Wegweist im alltäglichen Leben.

00:51:18.310 --> 00:51:25.010
Speaker 0: Sei es jetzt bei freudigen oder auch traurigen Ereignissen oder Vorkommnissen.

00:51:25.650 --> 00:51:29.910
Speaker 3: Also ich würde auch gerne kurz was zusammenfassen oder sagen.

00:51:30.170 --> 00:51:36.370
Speaker 3: Und zwar also klar die Antworten, die wir heute gehört haben, sind unterschiedlich und auch differenziert.

00:51:36.510 --> 00:51:42.850
Speaker 3: Und es ist auch gut, weil wir eben so voneinander lernen können und wachsen können.

00:51:43.430 --> 00:51:49.670
Speaker 3: indem wir andere Perspektiven hören und auf uns wirken lassen und uns dann auch ein bisschen selbst hinterfragen.

00:51:50.790 --> 00:51:59.250
Speaker 3: Interessant fand ich aber, dass wir als vier religiöse Menschen, die jetzt hier miteinander gesprochen haben, irgendwie doch die gleichen Fragen gestellt haben.

00:51:59.670 --> 00:52:03.270
Speaker 3: Und das sind eben Fragen, die uns allen auf der Seele brennen.

00:52:03.710 --> 00:52:06.890
Speaker 3: Und das, finde ich, vereint uns doch irgendwie.

00:52:07.330 --> 00:52:17.370
Speaker 3: Also auch die Fähigkeit, Die gleichen Fragen zu stellen ist schon, dass wir irgendwie miteinander vereint sind, auch wenn die Antworten dann unterschiedlich sind.

00:52:17.790 --> 00:52:19.930
Speaker 3: Das habe ich heute auch ein bisschen mitgenommen.

00:52:20.590 --> 00:52:21.390
Speaker 3: Johanna, was denkst du?

00:52:22.850 --> 00:52:28.050
Speaker 1: Ja, ich nehme das auch sehr stark mit, dass uns vereint, dass wir alle mit Gott kommunizieren.

00:52:29.050 --> 00:52:30.550
Speaker 1: Und das tun wir alle unterschiedlich.

00:52:31.290 --> 00:52:39.450
Speaker 1: Aber für mich ist es auch ganz klar, dass sozusagen diese Kommunikationssysteme nicht isoliert voneinander betrachtet werden können, sondern die haben sich miteinander entwickelt.

00:52:39.490 --> 00:52:40.950
Speaker 1: Also, die sind miteinander verflochten.

00:52:41.010 --> 00:52:45.110
Speaker 1: Und ich finde eigentlich gerade diese Verflechtungen total spannend, sich anzuschauen.

00:52:45.990 --> 00:52:48.090
Speaker 1: Und genau, deswegen ist das nämlich sehr stark mit.

00:52:48.170 --> 00:52:53.630
Speaker 1: Wir kommunizieren alle mit Gott und sind alle miteinander verflochten in unseren Kommunikationssystemen.

00:52:53.770 --> 00:52:56.350
Speaker 1: Also, vielen Dank für den ganz spannenden Austausch.

00:52:57.570 --> 00:52:57.670
Speaker 1: Prof.

00:52:57.870 --> 00:52:58.850
Speaker 1: Körner, was nehmen Sie mit?

00:53:00.590 --> 00:53:20.290
Speaker 2: Ich habe es gerade noch mal daran gedacht, mit welcher Freude Rabbi Fabian von seinen Sechshundertdreizehn geboten spricht und auch mit welcher Begeisterung Mansoor Hodja diese Verantwortung als Muslim annimmt und sagt, das machen wir jetzt.

00:53:20.330 --> 00:53:34.110
Speaker 2: Das ist dann nicht so, oh, ich bin ein Knecht von geboten und ich muss da so viel machen, sondern da ist so eine Freude dabei, dass als Verantwortung sogar als Pflicht zu empfinden.

00:53:34.170 --> 00:53:39.870
Speaker 2: Und das ist dann nicht so geknächtet, sondern das ist einfach so gelebte Zugehörigkeit.

00:53:39.930 --> 00:53:46.430
Speaker 2: Das konnte ich jetzt wirklich sehr gut wahrnehmen und regt mich selber jetzt noch mal an.

00:53:47.870 --> 00:53:51.450
Speaker 1: Ja, also dann vielen lieben Dank für den super spannenden Austausch.

00:53:52.290 --> 00:53:55.970
Speaker 1: und kommen wir jetzt zur letzten Rubrik.

00:53:56.750 --> 00:54:04.630
Speaker 1: Und in dieser letzten Rubrik ... Professor Körner und ich uns überlegt, stellen wir uns immer ein Wort vor, was uns diesem Monat besonders begleitet.

00:54:07.810 --> 00:54:10.270
Speaker 0: Alles Gute und bis zum nächsten Glauben.

00:54:11.090 --> 00:54:25.170
Speaker 1: Mein Wort des Monats ist Zusammenfreude, denn wir haben den letzten Monat sehr viel an diesem Podcast gearbeitet und auch so ein bisschen im Ausblick auf die nächsten Monate freue ich mich einfach, mit Ihnen zusammen diesem Podcast zu hosten.

00:54:25.250 --> 00:54:29.610
Speaker 1: Ich freue mich auf alle Gäste, die kommen und genau deswegen ist mein Wort Zusammenfreude.

00:54:30.410 --> 00:54:31.430
Speaker 1: Wie lautet Ihr Wort?

00:54:32.230 --> 00:54:39.250
Speaker 2: Also mein Wort ist diesmal ein Adjektiv, das für mir nochmal so neu klar geworden ist.

00:54:39.990 --> 00:54:41.430
Speaker 2: Und zwar das Wort Heiter.

00:54:42.130 --> 00:54:56.710
Speaker 2: Heiter, das bezieht sich ja nicht erst im übertragenen Sinne auf Wetter, sondern das kommt eigentlich daher, dass die Luft rein ist, dass der Himmel frei ist, dass der Blick nach oben da ist.

00:54:56.970 --> 00:54:58.070
Speaker 2: Daher kommt das Wort Heiter.

00:54:58.690 --> 00:55:05.390
Speaker 2: Also... Ich finde wirklich eine schöne Haltung, Heiterkeit im Sinne von Offensein nach oben.

00:55:06.010 --> 00:55:13.790
Speaker 1: Also dann bleibt uns nichts anderes als unseren Hörern und Hörern alles Gute zu wünschen und bis zum nächsten Glauben.

00:55:14.290 --> 00:55:16.630
Speaker 2: Und glauben Sie nicht alles, was man Ihnen sagt.

00:55:20.850 --> 00:55:24.550
Speaker 1: Dies ist eine Produktion der TLDR-Studios.